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Oscar Wilde - Der Ästhet

Oscar Wilde zog 1878 in die englische Hauptstadt London mit dem Ziel als Dichter, Schriftsteller oder Dramatiker berühmt zu werden. Seine Werke wurden zunächst unterschätzt, darum setzte er sich selbst häufig geschickt in Szene, um Aufmerksamkeit zu erhaschen.

Damit griff er den aufkeimenden Trend des Ästhetizismus auf, der seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Form eines Schönheitskultes im Entstehen begriffen war. Zu dieser Zeit änderten sich die gesellschaftlichen Konventionen. Wenn man etwas auf sich hielt und in der feinen Gesellschaft jemand sein wollte, musste man sich einen „erlesenen Geschmack“ "zulegen". Dieser äußerte sich besonders in der Kleidung und in der Wohnungseinrichtung, aber auch im kulturellem Leben, der literarischen Bildung und im Kunstsinn. Einen großen Teil zu dieses Bewegung trug der Künstler Whistler bei, demzufolge ein Gemälde durch seine eigene Kraft und Schönheit wirken sollte und keine moralischen Aussagen bräuchte.

„Selbstinszenierung“ war also das Stichwort, welches auch Oscar Wilde's ganzes Leben begleitete. Er sagte einmal: „Die erste Pflicht im Leben besteht darin, eine Pose einzunehmen.“ Diese Taktik öffnete ihm damals Türen und ermöglichte ihm den Einstieg in adelige Kreise, welche ihm zu einer anderen Zeit verschlossen geblieben wären. Wilde zur Galionsfigur dieser Bewegung, auf die auch viele andere Künstler und Gelehrte aufsprangen.

Mit seinem auffälligen Kleidungsstil wurde er außerdem zum Prototyp des „Dandys“. Er trug Seidenstrümpfe, Kniebundhosen, Blumen im Knopfloch, Samtjacken, auffällige Krawatten und Zigarettenspitzen mit Goldmundstück, außerdem war er ein begnadeter, wortgewandter und geistreicher Redner und Unterhalter. Wilde parodisierte sich selbst, er überhöhte und mystifizierte sich und pries sich als öffentliches Gut an. So wurde er auch in der breiten Bevölkerung zu einem Objekt der Belustigung, dass gleichzeitig jedoch akzeptiert wurde.

Oscar Wilde war der erste Pop-Star und wies seinen Nachfolgern des 20. Jh. den Weg, indem er seine eigene Person kommerzialisierte. Er wiederholte immer wieder, dass er dies ganz professionell und nicht aus persönlicher Geltungssucht tat.