Homosexualität
Oscar Wilde wird heute aufgrund seiner Werke und seiner schillernden Persönlichkeit verehrt. Der irische Schrifsteller prägte das Stereotyp des Homosexuellen, das in manchen Teilen der Gesellschaft noch heute Gültigkeit besitzt.
Was heute (fast) selbstverständlich akzeptiert wird, wagte die viktorianische Gesellschaft kaum auszusprechen. Die Homosexualität an sich wurde damals zwar geduldet, jedoch nicht aber ihre Öffentlichmachung oder etwa das Bekenntnis dazu. Wilde wurde seine Homosexualität zum Verhängnis.
Bis zu seiner Hochzeit mit Constance Lloyd schien Wilde noch ein völlig „normales“ Sexualleben zu führen. Wann genau sich seine Wandlung von einem heterosexuellen Familienvater zu einem homosexuellen Mann vollzogen hat, wird wohl nie geklärt werden können. Mitverantwortlich für diesen Wandel könnte sein Verlangen nach neuen Erlebnissen gewesen sein, um dem langweilig gewordenem Eheleben zu entfliehen.
Verführt wurde er zuerst von Robert Ross, einem jungen Freund der Familie Wilde. Mit ihm stellte er seiner homosexuellen Neigung und ging mit zunehmender Berühmtheit auch das Risiko eines Skandals ein. Als er schließlich den attraktiven jungen Lord Alfred Douglas („Bosie“ kennen und lieben lernte, fing er an, sich von seiner Frau zu entfremden. Trotzdem blieb er aber ihr Ehemann und ein liebevoller Vater der beiden Söhne Cyril und Vyvyan. Er erzählte ihnen Geschichten, reparierte ihr Spielzeug und ging mit ihnen zum Angeln.
Die Beziehung zu Lord Alfred Douglas war jedoch sehr intensiv und führte zuletzt zu Wildes tragischem Ende. Er lernte den damaligen Oxfordstudenten auf einer Party im Jahr 1891 kennen und war sofort von ihm fasziniert. Der junge Student interessierte sich ebenso für Literatur, war Verfasser einiger Gedichte und später Herausgeber einer Oxforder Studentenzeitschrift. Da Bosie ein Aristokrat war, bemühte sich auch Wilde, in die "feine Gesellschaft" zu integrieren. Durch diese Anpassung lebte er jedoch schnell über seine Verhältnisse und verschuldete sich immer stärker.
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Dummerweise war Bosies Vater ein gewalttätiger, exzentrischer Lord, der „Marquess of Queensberry“. Als er von der Beziehung seines Sohnes zum exzentrischen Poeten erfuhr, beschuldigte er Oscar Wilde öffentlich der „widernatürlichen Unzucht“. Bosie, der seinen Vater über alles hasste, trieb Wilde in einen für ihn verheerend ausgehenden Prozess. Wilde wurde der Homosexualität überführt und zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Aus dem umjubelten Schriftsteller und gefeierten Dandy wurde so am Ende ein Ausgestoßener.
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